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Im Jahre 1813 - Napoleon hat soeben eine schwere Niederlage in Rußland erlitten - will der preußische Heerführer August Graf Neidhart v. Gneisenau (Horst Caspar) seinen zaudernden König Friedrich Wilhelm III. von Preußen in Breslau davon überzeugen, das gesamte Volk zu den Waffen zu rufen und in die Verteidigung gegen die Franzosen einzubinden. Während die Bevölkerung vor der Residenz in großen Massen aufläuft, bereitwillig zum Kampf (Gesang: "Das Volk steht auf, der Sturm bricht los"), spricht Gneisenau beim König vor. Dieser vertritt ein absolutistisches Staatsverständnis: Der Krieg sei "Sache der Armee", nicht des Volkes. Gneisenau aber traut den Königen und Fürsten die Aufnahme des Kampfes nicht zu und verweist auf die Niederlegung der Kaiserkrone durch Franz II. - der Kaiser habe sein Reich in der Stunde der Not im Stich gelassen! Demgegenüber blickt Gneisenau zurück auf das Jahr 1806/07, als es den mutigen Einwohnern von Kolberg mit ihrem Bürgerrepräsentanten1) Joachim Nettelbeck (Heinrich George) unter Gneisenaus Führung mit kämpferischer Entschlossenheit gelungen war, die hinterpommersche Stadt und Festung2) gegen den französischen Angriff zu halten.

Damals, 1806, steht Preußen nach zahllosen verlorenen Schlachten vor dem militärischen Zusammenbruch; das Sommerfest in Kolberg wird überschattet von der Nachricht der Niederlage der Preußen bei Jena/Auerstedt3). Von dort trifft bald darauf ein kleiner Trupp überlebender Soldaten ein, angeführt von Leutnant (später im Film zum Rittmeister befördert) Ferdinand v. Schill (Gustav Dießl) und dessen Kamerad Friedrich Werner. Schill, der leichte Verwundungen trägt, findet im Hause Werner Unterkunft. Während Claus (Kurt Meisel), der Bruder von Friedrich, sich gänzlich der Musik hingegeben hat und sich von den schweren Geschehnissen ausschließen möchte, verliebt sich Maria (Kristina Söderbaum) - die Schwester von beiden und die Patentochter von Nettelbeck - in ihn Schill. Auch Schill entwickelt Gefühle für Maria, doch ist er zu sehr Soldat, als daß er sich binden würde ("Ich werde nie im Leben eine Frau heiraten. Ich bin mit dem Krieg verheiratet...").

Angesichts der drohenden Gefahr für die Stadt und Festung Kolberg gerät Nettelbeck mit dem Festungskommandanten Oberst v. Loucadou (Paul Wegener), an dessen militärischer Kompetenz er zweifelt, in Streit. Loucadou trifft keine Anstalten zum Aufbau einer wirksamen Verteidigung der Stadt; er glaubt nicht daran, daß die Festung überhaupt angegriffen wird und würde sie, falls sie doch angegriffen wird, lieber kampflos übergeben. Nettelbeck widersetzt sich Loucadous Anordnungen und fordert die Verteidigung seiner Heimatstadt bis zum letzten Atemzug, wenn es notwendig wird. Schill steht Nettelbeck dabei zur Seite und leitet mit dem Aufbau einer Bürgerwehr Schritte zur Verteidigung der Stadt ein. Unterdessen wird es Winter, und die Franzosen richten einen Kapitulationsaufruf an die Stadt Kolberg. Es kommt daraufhin im "10 Männer Rat" der Stadt zu heftigen Diskussionen, da einige Vertreter um ihr Eigentum fürchten, sollte es zu einem Kampf um Kolberg kommen. Nettelbeck argumentiert heftig für einen Widerstand und teilt dem französischen Kommissär mit, daß "die freien Bürger der alten Hansestadt Kolberg" sich "lieber unter den Trümmern ihrer Mauern begraben lassen [wollen], als ihren Eid auf den König und Herrn brechen!"

Napoleon reagiert in seinem Hauptquartier äußerst ungehalten auf diese Botschaft und befiehlt, die Stadt gnadenlos dem Erdboden gleichzumachen und Nettelbeck an ihn auszuliefern. Die Franzosen beziehen Stellung vor den Mauern der Stadt, während Nettelbeck mit Unterstützung Schills die Garnison vorsorglich mit schwedischen Kanonen verstärkt. Loucadou sieht sich wegen dieses Schritts in seinen Kompetenzen als Festungskommandant empfindlich beschränkt, und als er seine Bereitschaft kundtut, die Stadt bei einer zu großen Übermacht der Franzosen sowieso zu übergeben, entwickelt sich ein Handgemenge zwischen ihm und Nettelbeck: Zutiefst aufgebracht geht Nettelbeck mit seinem Säbel auf Loucadou los, wird verhaftet und wegen Rebellion standrechtlich zum Tode verurteilt.

Die Franzosen haben Bullenwinkel, das vor den Mauern der Stadt gelegene Gehöft der Werners, besetzt, und feiern und trinken dort ausgelassen. Bauer Werner muß mitansehen, wie sein Sohn Claus mit den Franzosen anstößt und einen Trinkspruch auf Napoleon ausbringt. Es gelingt Schill zwar, mit einem kleinen Kavallerietrupp die Franzosen zu vertreiben - aber Bauer Werner kann sich darüber nicht freuen: er ist tief deprimiert über das unpatriotische Verhalten von Claus. Als Schill den Abriss des Gehöfts verlangt, da dieses eine ideale, gegen Kolberg gerichtete Artilleriestellung für die Franzosen abgeben könnte, zündet Bauer Werner seinen Hof an und kommt in den Flammen ums Leben.

Maria besucht Nettelbeck im Gefängnis und berichtet ihm vom Tod ihres Vaters. Nettelbeck spendet ihr Trost und bittet sie verzweifelt, einen Brief an den König zu überbringen, in dem Nettelbeck einen neuen, jungen Festungskommandanten, der die Stadt nicht preisgeben wird, fordert. Der heldenhaften Maria gelingt es tatsächlich, vorbei an den französischen Posten bis nach Königsberg - wohin der preußische Hof nach der Besetzung Berlins durch französische Truppen geflohen ist - zu kommen; sie dringt aber nur bis zur Königin Luise vor, die großen Anteil am Schicksal Kolbergs nimmt ("Es sind nur noch wenige Edelsteine in Unserer Krone geblieben - Kolberg ist einer davon") und verspricht, den Brief an den König weiterzuleiten. Unterdessen wird Nettelbeck auf Druck des Volkes sowie nach massiven Drohungen Schills von Loucadou wieder freigelassen.

Als Maria auf dem Seeweg nach Kolberg zurückkehrt, hat der König dem Wunsch Nettelbecks bereits entsprochen und Gneisenau als neuen Kommandanten eingesetzt. Gneisenau verlangt von Nettelbeck unbedingten Gehorsam ("Sie wollen führen, und können nicht gehorchen?"), doch Nettelbeck fordert für sein Amt des Bürgerrepräsentanten den gleichen Respekt wie für Gneisenaus Amt des Festungskommandanten und läßt diesen wissen, daß er nur gewillt ist, Befehle zu befolgen, die zum Besten der Stadt sind. Auf dieser Grundlage ist der vom nationalen Geist durchdrungene Gneisenau froh, Nettelbeck zur Seite zu haben, und macht sich den eigensinnigen Bürgerrepräsentanten zum treuen Helfer.

Gneisenau feuert die Stadtbevölkerung mit patriotischen Durchhaltereden an:

"Kolberger, Preußen, Deutsche! Ein schweres Schicksal liegt auf eurer Stadt und auf unserm unglücklichen Vaterland. Stärker als das Schicksal ist der Mut, der es trägt. ... Keine Liebe ist heiliger als die Liebe zum Vaterland, keine Freude ist süßer als die Freude der Freiheit, aber ihr wisst, was uns blüht, wenn wir diesen Kampf nicht ehrenvoll gewinnen. Darum - welche Opfer von dem Einzelnen auch gefordert werden mögen, sie wiegen die heiligen Güter nicht auf, für die wir kämpfen und siegen müssen, wenn wir nicht aufhören wollen, Preußen und Deutsche zu sein! Bürger und Soldaten! Vom Karrensknecht bis zum Bürgergeneral! Ihr werdet doch nicht schlechter sein wollen, als eure Väter waren? Wagt ihnen zu gleichen! Ihr habt ihr Beispiel, nun gebt ein Beispiel!!"

Ein überraschender Ausfallangriff der Kolberger hat zwar Erfolg, doch die Stadt steht alsbald unter permanentem schweren Artilleriebeschuss und ist dauernden Angriffen durch die französischen Truppen ausgesetzt. Gneisenau verlangt, die Flächen südlich der Stadt mit Wasser aus der Persante zu überfluten, um den Franzosen ein Hindernis entgegenzusetzen. Viele Gehöfte werden der Überflutung preisgegeben, doch die Bewohner fügen sich bereitwillig, um die Stadt zu retten. Beim Versuch, seine Geige aus einem der überfluteten Gebäude zu bergen, kommt Claus unter den Augen Marias ums Leben.

Schill will nach Stralsund4) segeln, um für Nachschub für die belagerte Stadt zu sorgen. Maria verabschiedet sich am Strand von ihm (Schill: "Es ist ein schönes Gefühl für einen Soldaten, wenn er weiß, daß ein Mädchen für ihn weint"). Sie ahnt, daß er umkommen wird und sie sich niemals wiedersehen. Bald darauf betritt ein französischer Parlamentär die Stadt, um die Kapitulation zu fordern, doch er wird von Gneisenau und der gesamten Stadtbevölkerung abgewiesen. Der Kampf wird fortgesetzt und die Stadt langsam sturmreif geschossen. Doch die Einwohner Kolbergs leisten erbitterten Widerstand gegen die französische Überzahl: Sie nehmen alle Opfer und Entbehrungen in Kauf (Nettelbeck: "Die Häuser können sie uns verbrennen, aber die Erde nicht"). Auch Marias zweiter Bruder, Friedrich, stirbt bei einem Angriff. Gneisenau stellt Nettelbeck auf die Probe, um das Maß seiner Kampf- und Opferbereitschaft zu testen: Er gibt vor, die Stadt den Franzosen übergeben zu wollen, aber Nettelbeck geht vor ihm auf die Knie und bittet ihn inständig, den Kampf fortzusetzen. Gneisenau antwortet: "So wollte ich es von ihnen hören, Nettelbeck. Jetzt können wir zusammen sterben..!"

Angriffswelle auf Angriffswelle wird abgeschmettert, und schließlich gelingt das scheinbar Unmögliche: Ein Zwist unter den französischen Offizieren macht der Belagerung ein Ende. So wird Kolberg gehalten, bis der Friede von Tilsit5) zwischen Frankreich und Rußland den preußisch-französischen Krieg beendet. Die Waffen schweigen, und Maria und Nettelbeck stehen am Strand und blicken auf die Stelle, wo Schill in See gestochen ist. Maria hat wie viele andere alles verloren (Haus und Hof, Vater, beide Brüder und ihre Liebe), doch Nettelbeck tröstet sie: "Das Größte wird immer nur in Schmerzen geboren. Und wenn einer diese Schmerzen für uns alle auf sich nimmt, dann ist er groß. Du bist groß, Maria..."

Wieder in Breslau, 1813, im Gemach des Königs Friedrich Wilhelms III.: Gneisenau hat den König mit seiner Schilderung des Heldenkampfes von 1806/07 überzeugt. Der König läßt sich von ihm den Aufruf "An mein Volk"6) diktieren, womit der antifranzösische Befreiungskampf ausgerufen wird. Gneisenau: "Aus Asche und Trümmern wird sich wie ein Phönix ein neues Volk erheben, ein neues Reich!"

E N D E

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1) = Bürgermeister, der den Vorsitz im städtischen Rat innehatte und die Stadt nach außen vertrat.
2) Kolberg kam 1653 in den Besitz der Kurfürsten von Brandenburg(-Preußen), die die im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) von kaiserlichen Truppen angelegten Befestigungen durch sechs Bastionen ausbauten. Nachdem die Russen Kolberg im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) eingenommen hatten, ließ Friedrich der Große nach Kriegsende die Befestigungsanlagen weiter verstärken.
3) In der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt wurde am 14.10.1806 die preußisch-sächsische Armee entscheidend geschlagen. Die preußische Hauptmacht unter Herzog Karl von Braunschweig unterlag bei Auerstedt dem französischen Marschall Davout; das vom Fürsten Hohenlohe befehligte Korps wurde von Napoleon bei Jena vernichtet.
4) Stralsund (mit ganz Westpommern) kam durch den Westfälischen Frieden 1648 an Schweden; erst 1815 wurden Stralsund und Schwedisch-Vorpommern auf dem Wiener Kongreß Preußen zugesprochen.
5) Der Friede von Tilsit beendete den preußisch-französischen Krieg von 1806/07. Am 7.7.1807 wurde der Friede zwischen Frankreich und Rußland und am 9.7.1807 zwischen Frankreich und Preußen geschlossen. Preußen wurde auf die Gebiete östlich der Elbe beschränkt.
6) Die Konvention von Tauroggen (die Neutralitätserklärung für das am Rußlandfeldzug Napoleons im Jahre 1812 beteiligte preußische Hilfskorps) leitete am 30.12.1812 die Erhebung Preußens ein. Am 28.2.1813 schlossen Preußen und Rußland das Bündnis von Kalisch, und am 17.3.1813 erließ König Friedrich Wilhelm III. in Breslau den Aufruf "An mein Volk". Dennoch folgte der König auch danach weiterhin nur zögernd der patriotischen Begeisterung des Volkes.



 
         
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