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Jens Peter Kutz
Die Ducks aus Entenhausen
Ein Familienporträt

80 Seiten
viele, z.T. farbige Abbildungen

Dieses Büchlein beinhaltet die auf dieser und den folgenden Seiten präsentierten Kurzporträts der wichtigsten Mitglieder des Duck-Clans. Abgerundet werden die prägnanten, reichhaltig bebilderten Porträts durch einen Exkurs zur Heimatstadt der Ducks: Entenhausen, und einen Anhang mit den Biographien der beiden Chronisten der Duck-Familie: Carl Barks und Erika Fuchs.

Zum Selbstkostenpreis von 5 Euro zu bestellen unter jpkutz@web.de


Die Familie Duck
Dagobert Duck Dorette Duck Donald Duck
Daisy Duck Gustav Gans Tick, Trick und Track
Diverse Stammbäume

Dagobert Duck

"Ich bin reich geworden, weil ich zäher war als die Zähsten und
schlauer als die Schlausten. Und ich bin ein ehrlicher
Mann dabei geblieben." Dagobert Duck

Obwohl ihm nach eigener Aussage "niemand gesagt [hat], wie man Kapitalist wird", hat er es doch zum reichsten Mann der Welt gebracht, der in seinen mehreren über die Stadt verteilten Geldspeichern mehr Barvermögen verwahrt, als der gesamte Rest der Weltbevölkerung zusammen. Dagobert Duck ist ein moderner und dynamischer Tycoon, der sein gigantisches Wirtschaftsimperium (u.a. Bergwerke, Ölquellen, Fabriken aller Art, Reedereien, Eisen- bahnlinien, Farmen, Immobilien, Hotels etc.) mit Fleiß und List ausbaut und verwaltet (wobei sich der Beobachter zuweilen fragt, wie er die Verwaltung seines Wirtschaftsimperiums überhaupt bewerkstelligt, scheint er doch fast alle Aufgaben selbst auszuführen und nur selten, unterstützt von einem seiner Buchhalter, Tätigkeiten zu delegieren). Zugleich der Prototyp des selfmade-man, ist er sich auch für harte Arbeit und Entbehrungen nicht zu schade, wenn es darum geht, seinen Reichtum zu vermehren. Des öfteren bricht Herr Duck von Entenhausen aus auf, um in den entlegensten Winkeln der Welt - zumeist begleitet von seinem Neffen und seinen Großneffen - auf abenteuerliche Schatz- und Rohstoffsuche zu gehen.

Dagobert Duck hat, so erfahren wir aus den Berichten von Carl Barks, drei Lieblingsbeschäftigungen: Geld verdienen, Geld zählen und - in demselben baden! So hat er ein geradezu körperlich-sinnliches (erotisches?) Verhältnis zum Geld, und "die verblüffende Fähigkeit des Multimillionärs zum Schwimmen in fester Materie verleiht ihm in den Augen seiner Mitbewohner bisweilen die Aura eines Sonderlings, eines Mannes, der sich um die harten Naturgesetze nicht schert und sich womöglich um die weichen Regularien des sozialen Lebens noch weniger kümmert" (A. Platthaus). - Trotz (oder wegen) seiner bisweilen skurilen Art und einer Reihe von Schrullen ist Dagobert Duck bei seinen Entenhausener Mitbürgern allseits beliebt und erntet im Allgemeinen deren Anerkennung und Bewunderung!

Dagobert Duck zeichnet sich charakterlich aus durch Tugenden wie Fleiß, Zielstrebigkeit und Sparsamkeit. Er rühmt sich (s. obiges Eingangszitat), seinen Reichtum mit ehrlichen Mitteln angehäuft zu haben, was jedoch die Anwendung von List und skrupellosen Winkelzügen keineswegs ausschließt: Wenn's um's Geschäft geht, muß die Moral auch schon mal auf der Strecke bleiben! Auch gibt es immer wieder Situationen, in denen er ein äußerstes Maß an Rücksichtslosigkeit, die bisweilen an Brutalität grenzt, zeigt, um seine Interessen durchzusetzen. Seine erwähnte Sparsamkeit nimmt Züge extremsten Geizes an - eine Eigenschaft, die im Übrigen dem Wesen eines Kapitalisten recht eigentlich widerspricht, ist ein solcher doch darauf erpicht, sein Geld dem Wirtschaftskreislauf möglichst rasch wieder zuzuführen, mit dem Ziel, es zu vermehren, statt es zu horten...

Nicht nur, dass Dagobert Duck seine Verwandten in der Regel zu Hungerlöhnen für sich arbeiten lässt, er führt auch persönlich ein materiell karges Leben. So legt er im Allgemeinen wenig Wert auf Statussymbole, bevorzugt den Konsum von einfachem Brot und Leitungswasser, liest die Tageszeitung bei Kerzenschein, um Stromkosten zu sparen, und trägt seit jeher den gleichen roten Frack mit Zylinderhut. Dem etwas zuwider läuft allerdings Herrn Ducks des öfteren zu beobachtendes immenses Verlangen nach sozialer Akzeptanz: Zur Erreichung dieses Ziels zeigt er sich doch auch bereit, größere Summen Geldes auszugeben. So nennt er mehrere Luxuslimousinen, mindestens eine herrschaftliche Villa sowie einen Privatzoo sein Eigen; er ist doch bei aller Sparsamkeit trotz allem ein Plutokrat, der etwas von den Genüssen des Lebens versteht!

Es scheint, Dagobert Duck könnte ein zufriedenes Leben führen - wäre da nicht die Notwendigkeit, sein erarbeitetes und erspartes Vermögen ständig gegen äußere Angriffe zu verteidigen: Zu denken ist hier natürlich in erster Linie an die Übergriffe der Panzerknacker AG, einer kriminellen Verbrecherorganisation, und an die Hexe Gundel Gaukeley, die es insbesondere auf Dagobert Ducks ersten selbstverdienten Taler abgesehen hat, dem besondere Kräfte zugesprochen werden.

Der Aufstieg Dagobert Ducks zum reichsten Mann der Welt ist nicht gänzlich aufzuklären; auf der Grundlage der Überlieferung von Carl Barks und den Forschungen von Jack L. Chalker und Christian Baron lassen sich folgende Aussagen treffen:

Dagobert Duck entstammt einem traditionsreichen schottischen Adelsgeschlecht mit der "Duckenburgh" als Stammsitz. Die Duck-Familie verarmte jedoch (einziger Wertbesitz der Familie waren ein goldenes Gebiss und eine rubinverzierte Taschenuhr) und lebte schon lange nicht mehr in der Burg, sondern in der Stadt Glasgow, wo Dagobert Ducks Großvater Bergmann war. Ein eigenes Bett für den kleinen Dagobert konnte sich die Familie nicht leisten - er musste in einer Kommodenschublade schlafen. Herr Duck ging schon in Kinderjahren arbeiten; als Schuhputzer verdiente er sein erstes eigenes Geld. Dabei entwickelte sich sein Geschäftssinn schon frühzeitig, als er das Schuhputzhandwerk (später die Holzfällerei) mittels Hosenträgern rationalisierte (!).

Aus der Erfahrung kindheitlicher Armut resultierte der unbezähmbare Wunsch, diese Armut zu überwinden. So ist Dagobert Duck gegen 1880 aus Schottland ausgewandert, um - wie so viele - sein Glück in Übersee zu versuchen. Es ist zu vermuten, dass er zuerst seinen Großvater aufsuchte, der bereits einige Jahre zuvor seine Heimat verlassen hatte und Dampferkapitän auf dem Mississippi war. Anschließend ist er jahrelang um die Welt gezogen auf der Suche nach Reichtum. Wir wissen aus biographischen Selbstaussagen Herrn Ducks, dass er u.a. in Montana als Cowboy gearbeitet und dort eine große Kupfermine entdeckt hat, in Tibet mit Yakherden gehandelt, auf den Zinnfeldern von Malaya gearbeitet, in Ostasien Kormorane zum Perlenfischen ausgebildet und in Pompadour als Finanzberater gewirkt hat - wobei es im Einzelnen diffizil ist, diese Taten in die richtige zeitliche Reihenfolge zu bringen. In dieser Zeit ist Dagobert Duck nicht nur reicher an materiellem Vermögen geworden - er hat auch viele Sprachen gelernt (ein Umstand, der ihm auf späteren Geschäftreisen sehr zugute kam).

Den Grundstein für sein immenses Vermögen aber legte Dagobert Duck in Südafrika und Alaska: In Südafrika schürfte er Gold (in Transvaal, so erinnerte er sich später, war es so heiß, dass die "Goldkörner ... schmolzen und wie Sirup zu Tal flossen"!) und entdeckte eine Diamantenmine. Seine erste Million aber verdiente er 1898 (eine der wenigen gesicherten Jahreszahlen), zur Zeit des Goldrausches, in den Goldfeldern Alaskas (im Fluss Klondike, nahe der legendären Goldgräberstadt Dawson - wo er, nebenbei bemerkt, in "Blackjack's Saloon" die schöne Nelly kennenlernte; neben seinem Geld mutmaßlich die einzige Liebe seines Lebens...). Auch danach gingen die abenteuerlichen Unternehmungen weiter: Nach seinem Goldfund unterhielt er zuerst von 1899 bis 1902 eine Bank in Dawson; später verkaufte er in Holland Wind für Windmühlen, war Finanzberater beim Maharadscha von Haipur, fand Kupfer in Argentinien und Arizona, Silber in Bolivien, Diamanten in Kachoonga, Smaragde in den Anden, Quarz in Arabien, unterhielt große Weiden im Wilden Westen und Teeplantagen in Baghibragore etc. etc.

Irgendwann (im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts) hat sich Dagobert Duck in Entenhausen niedergelassen, wo er für sein riesiges Barvermögen einen Geldspeicher errichtet hat und von wo aus er sein Wirtschaftsimperium künftig leiten und lenken sollte. (Entenhausen scheint sich nicht zuletzt aufgrund seiner gewaltigen Investitionen zu einer prosperierend-florierenden Metropole entwickelt zu haben.) In erster Linie wandelte sich Dagobert Duck nun zum seßhaften Industrie- und Finanzmagnaten, doch setzte sich die Rastlosigkeit zum Teil fort: Er reiste nach Afrika und erwarb dort Ländereien, 1912 tauschte er während der Revolution in Putschistan Kamele gegen einen Rubin (den er 1920 auf Rippan Taro wieder eintauschte), 1928 verkaufte er den kanadischen Drahthaarindianern Haarwuchsmittel... Auch in jüngster Zeit hat sich Herr Duck noch längst nicht zur Ruhe gesetzt, und man gewinnt den Eindruck, dass die neuen Abenteuer und Herausforderungen denen der Jugend- und Jungmannenzeit in nichts nachstehen...!

Dagobert Duck ist der Bruder von Dorette Duck, der Onkel von Donald Duck und Daisy Duck, der Onkel zweiten Grades von Gustav Gans und der Großonkel von Tick, Trick und Track Duck.


Dagobert Duck (im Englischen: Scrooge McDuck, gelegentlich auch $crooge McDuck) fand seine erste Erwähnung Weihnachten 1947 in dem Barks-Bericht "Christmas on Bear Mountain" (Four Colour 178/2; deutscher Titel "Die Mutprobe", deutscher Erstdruck in Micky Maus 26-27, 1957; s. Abb. links). Wurde er dort noch geschildert als missgelaunter, mürrischer, gebückter alter Mann, wird er schon bald in den Folgeberichten zusehends jünger, vitaler und dynamischer. - Die Figur Dagobert Duck ist angelehnt an "Ebenezer Scrooge" aus Charles Dickens' 1843 erschienener Novelle "A Christmas Carol".


Literatur über Dagobert Duck:

  • Carl Barks, Barks Library (Ehapa Comic Collection), mehrere Bde. (Primärquellen)
  • Grobian Gans, Die Ducks. Psychogramm einer Sippe, Hamburg 1972, S. 21-31 (vulgärdonaldistisch)
  • Henner Löffler, Wie Enten hausen, München 2004, S. 69-92 (vulgärdonaldistisch)
  • Hartmut Holzapfel, Überall ist Entenhausen, Wetzlar 2004, S. 22-32 (donaldistisch)
  • Johnny A. Grote, Der Stammbaum der Ducks, Stuttgart 1999 (donaldistisch)
  • Gottfried Helnwein, Wer ist Carl Barks, Stuttgart 1993, S. 68-95 (undonaldistisch)
  • Don Rosa, Onkel Dagobert. Sein Leben, seine Milliarden, Köln 2006 (vulgärdonaldistisch)
  • Jack L. Chalker, An Informal Biography of Scrooge McDuck, Baltimore 1974 (vulgärdonaldistisch)
  • Christian Baron, Der unaufhaltsame Aufstieg des Dagobert D., in: Der Hamburger Donaldist 21, 1979, S. 3-8 (donaldistisch)
  • John F. Mindermann, Das Geheimnis des Dagobert Duck, in: Der Donaldist 74, 1990, S. 12-19 (donaldistisch)


 
         
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