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Völkischer Beobachter vom 31.1.1945:



Uraufführung in La Rochelle und Berlin
"Kolberg" - ein Film? Ein Beispiel!

Berlin, 30. Januar. Diesen Film im Frieden sehen, hieße, die Stadt Kolberg und ihre Bürger als Vorbild bewundern. Ihn in diesem Kriege zu sehen, bedeute ein Gleichnis, ein Beispiel für uns selber. Wir betrachten nicht mehr nur, was 1806 geschah, sondern erleben es 1945, als sei es ein Stück von uns.
Der Film "Kolberg" ist ein großer Film, sonst hätte man es ihm nicht vergönnt, am 30. Januar und noch dazu dieses bedeutungsvollen Jahres aufgeführt zu werden. Seine künstlerischen Qualitäten zu würdigen, das bescheidene Zusammenspiel größter Schauspieler unter einem Meister ihrer Regie, die wilde Zucht bewegter Massen Bürger und Soldaten nachzuzeichnen, den Einklang zwischen Farbe, Bild und Handlung abzumalen, wäre eine Verlockung. Aber diese Mittel einer anteilheischenden Erregung treten hinter das politische Gesicht zurück, dessen Zweck sie heiligte, wären sie auch weniger glückhaft in die Szene gesetzt. Man sieht diesen Film aus einer kleineren Vergangenheit nicht richtig, wenn man in ihm nicht die größere Gegenwart erlebt.
Die Handlung ist bekannt. Es geht um Kolberg, das, von den Franzosen eingeschlossen, in Gneisenau einen militärischen Befehlshaber, in Nettelbeck einen Volksführer findet, die gegen Berge von Widrigkeiten ihren Widerstand erheben, bis seine zähe Beharrlichkeit über eine übermächtige Belagerung in letzter Stunde obsiegt. Aus diesem Thema quellen die sichtbaren Bilder. Unsichtbar aus einem bleibend gültigen Hintergrund erhebt sich die Beziehung zu unseren Tagen, gespenstisch mitunter in einem Blick, in einem Wort wie auf heute gemünzt. Doch wurde der Historie keine Gewalt angetan, und außer der Erfindung das Rankwerks menschlicher Schicksale ist alles Wahrheit, was wir sehen.
Darum wirkt der Film sehr ehrlich. Er trägt eine starke Tendenz, ohne ihr den Tribut verdrehter Tatsachen zu zahlen. Man mag sagen, dass die kleinen Leiden einer kleinen Stadt nie parallel zu den großen Gefahren gezogen werden dürfen, die das ganze große Reich heute bestürmen. Gewiß: die Kanonenkugeln der Achtpfünder sind ein Kinderspiel gegen die Tonnenbomben moderner Luftgeschwader, und die Knechtschaft unter dem Korsen könnte der Ehrlosigkeit ein Paradies angesichts des Schicksals erscheinen, das uns unter dem Bolschewismus erwartete. Wir würden, nur mit den gleichen Mitteln wie damals die Bürger von Kolberg bewehrt, Napoleons Generalen gelassener die Stirn bieten. Wir wissen, das es schlimmere Dinge als 35 000 feindliche Soldaten und 500 feindliche Geschütze gibt - aber die Kolberger wußten es damals nicht. Man darf darum nicht den Maßstab unserer durchgestandenen Prüfungen an ihr Heldentum legen, wenn man es bewundern will. Anders täte man uns unrecht und verkleinerte die heutige Leistung eines Volkes und seiner Führer, die ihresgleichen in der Geschichte nicht hat.
Aber den Kampf um Kolberg in der Abstimmung aller Umstände und Gegebenheiten im Grundton seiner Tugenden auch heute klingen zu lassen, kann viel Kraft zutragen. Diese Männer hielten den Kopf hoch, den die schlimmsten Nöte, Kümmernisse und Verfolgungen ihrer Zeit beugen wollten, diese Frauen erlagen einem Leid nicht, das ihr Herz härter, als sie es je hörten, mit bitterem Harm bedachte. Dieser Nettelbeck (Heinrich George): man wünscht sich, in der Stunde der bürgerlichen Gefahr so unverbrüchlich zu glauben; dieser Gneisenau (Horst Caspar): man meint, die besten Männer unseres Militärs in seinem Entschlossenheit sammelnden Gesicht zu sehen; dieses Mädchen Maria (Christina Söderbaum): man dankt ihren vom Tod des Vaters und der Brüder so weh in Tränen getauchten Augen alle Liebe, mit der die deutschen Frauen heute wieder treu und tapfer uns zur Seite stehen. Technik und Kriegskunst, Kriegsziele und Gefahren vergrößerten ihre Dimensionen seit den anderthalb Jahrhunderten, die uns von dem Beispiel Kolberg trennen, aber was Menschen wertvoll macht, war vor 150 Jahren nicht anders als heute zu leben.
Darum vermeint man, in den französischen Schwadronen die Panzerrudel des modernen Schlachtfeldes zu erleben, in der Zügellosigkeit der fremden Soldateska die Willkür der bolschewistischen Gewalt zu ahnen, im Brand der alten Bürgerhäuser das Flammenmeer unserer gepeinigten Städte zu sehen, unter dem Marsch der fremden Bataillone das Pommernland so schmerzlich wie den Boden unserer ostdeutschen Provinzen unter den Stiefeln der Sowjetarmee stöhnen zu hören. Darum verläßt man aber diesen Film um Kolberg auch nicht ohne die Gewißheit, dass ein zäher Glaube an das gute Recht der eigenen Sache endlich doch die Übermacht besiegt, und man versteift sich in dem Vorsatz, der Gegenwart nicht minder trotzig in ihr furchtbares Auge zu sehen, als es die deutsche Vergangenheit einmal auf sich nahm. Kolberg ist gewiß nicht Deutschland gewesen, damals nicht heute, Frankreich nicht der Bolschewismus, aber was unter Nettelbeck seine Bürger und unter Gneisenau die preußischen Soldaten vermochten, können wir auch.
Während der Film in Berlin der Öffentlichkeit vorgeführt wurde, erlebte er auch in unserer Atlantikfestung La Rochelle seine Uraufführung. Die Beziehung zwischen der Standhaftigkeit dieses Stützpunktes und dem Kampf um Kolberg braucht keine Unterstreichung, um sie zu begreifen. Auf sich gestellt, den Feind ringsum, ficht heute wie damals und hier wie dort die deutsche zukunft um ihr Leben. Damals lachte endlich ihre Sonne durch die dunklen Wolken der zerfressenden Feuersbrünste, dort leuchtet ihr heller Heimatstern noch immer einer treuen Tapferkeit - hier und heute soll es nicht anders sein. Wenn man Veit Harlan die Hand drücken möchte, weil sein Film einen guten Grund zu solchen Gedanken gibt, sei damit aller Mühe gedankt, die aus dem Namen einer Stadt den Film vom Beispiel unserer Zeit machte.
J. Sch.


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